Transvulcania 2017 5


Startpunkt für die Ultra-Strecke des Transvulcania 2017 war traditionell am Leuchtturm von Faro de Fuencaliente an der südlichsten Spitze von La Palma. Der Startschuss für die 74,33 km lange Strecke fiel morgens früh um 6:00 Uhr bei völliger Dunkelheit. Bis auf die letzten 5 Kilometer führt die Strecke über den legendären GR 131, der auch als „Ruta del Bastón“ bekannt ist. Bis zum Ziel zum Plaza de España in Los Llanos de Aridane müssen insgesamt 4.350 hm im Aufstieg und 4.057 hm im Abstieg bewältigt werden. Damit gehört die Strecke des Transvulcanias zu einen der anspruchsvollsten Trailruns der Welt. Der höchste Punkt der Strecke ist der Roque de los Muchachos auf 2.421 m (wird nach 51,8 km erreicht). Die Trails sind zum Teil sehr schwierig zu laufen, da sie über loses Vulkangestein führen.

Was ich beim Transvulcania erlebt habe, könnt ihr im folgenden Video erleben aber auch in meinem Laufbericht weiter unten lesen.

 

Mein Laufbericht zum Transvulcania

 Die Nacht war kurz. Pünktlich um 3 Uhr klingelte der Wecker. Alles was ich anziehen und mitnehmen wollte lag schon fertig bereit. Also schnell duschen, um wach zu werden, nochmals Füße eincremen und rein ins Trailrunning Outfit. Nachdem wir meinen mitgebrachten Kuchen (hier für Hobby-Bäcker das Rezept des Power-Cakes) als Frühstück gegessen hatten, ging es auch schon bald los. Wir hatten ja alles am Vortag schon ausgekundschaftet. Innerhalb von einer viertel Stunde sollten wir vom Hotel Prinzess den ausgespähten Parkplatz nicht unweit vom Start erreicht haben. Doch da haben wir unsere Pläne ohne die örtliche Polizei gemacht. Schon einen Kilometer vor dem Start kam die erste Straßensperre. Zunächst wollte man uns nicht durchlassen. Dann – aus heiterem Himmel – lies man uns doch gewähren und hätten laut Polizei sogar bis zum

Im Startbereich beim Transvulcania

Im Startbereich beim Transvulcania

Leuchtturm fahren können. Es wirkte alles etwas planlos und unkoordiniert – was die Polizei betraf. Wir näherten uns also mit dem Mietwagen weiter dem Startbereich – genau bis zur nächsten Straßensperre. Dort war dann kein Durchkommen mehr. Es blieb uns nichts anderes übrig, als aus dem Auto zu steigen und Jochen machte sich auf den Weg nach der Suche eines strategisch gut gelegenen Parkplatzes, denn er wollte uns ja an diesem Tag an vielen Punkten als Supporter an der Seite stehen.

Auf zum Start

Der Leuchtturm in Faro de Fuencaliente und das Gebiet herum war gut ausgeleuchtet und es herrschte schon reges Treiben in dem Areal. Im Startblock selbst war noch kein Läufer auszumachen, dafür reihten sich viele Läufer an den paar Dixi-Klos, die in der kargen Mondlandschaft aufgestellt wurden. Glück hatten wir schon mit dem Wetter, denn der in anderen Laufberichten genannte kalte Wind blieb aus und so reichten Armlinge aus, um warm zu bleiben.

Um Punkt 5 Uhr machte dann der Equipment-Check auf. Es wurde nur stichprobenartig kontrolliert, ob man Stirnlampe, rotes Licht (warum auch immer – den Sinn habe ich bis heute nicht richtig verstanden), Rettungsdecke und was zu Trinken mit sich führte. Nachdem Bart und ich ohne nur den Rucksack öffnen zu müssen passieren konnten, gingen wir

Im Startblock

Im Startblock

auch schon hinunter zum Start, der fast auf Meereshöhe lag. Das Gedränge war groß, jeder Trailrunner wollte sich einen Platz weit vorne im Starterfeld sichern um nicht später nach den ersten 500 Metern an der bekannten Engstelle Schlange stehen zu müssen. Nachdem wir unsere durchaus gute Position im vorderen Feld eingenommen hatten war uns recht schnell klar, dass wir diese für die nächsten 50 Minuten bis zum Start auch nicht mehr aufgeben sollten, da wir von den anderen Läufern nicht mehr nach vorne durchgelasssen werden würden. Gut, dass wir vorher noch auf Toilette waren. 😉 So begann also das lange Warten bis zum Start. Die Stimmung war aber ausgesprochen gut, die Moderatoren machten ihren Job gut und heizten mit heißen Beats gut ein. So verging – wenn auch nur langsam – die Zeit bis zum Countdown des 9 Transvulcanias.

The Final Countdown

In den letzten 5 Minuten vor dem Start wurde das Licht abgedunkelt und jeder Trailrunner dazu aufgefordert, seine Stirnlampe und das rote Licht einzuschalten. Der Blick in die Menge mit all den Lichtern war wirklich Gänsehautfeeling. Der Startschuss um Punkt 6 Uhr machte der langen Warterei ein Ende und die 2.060 Läufer (60 davon Elite Läufer) machten sich hektisch auf den Weg. Das Gedränge und Gerangel unter den Läufern war wirklich extrem. Mit den Unterarmen versuchten sich alle Athleten den Vorder- oder Nebenmann auf Distanz zu halten. Jede noch so kleine Lücke wurde sofort für Überholmanöver ausgenutzt. So ging es zunächst einen kurzen Anstieg bis zum Leuchtturm hinauf, wo der Weg nach einer scharfen Rechtskurve wieder breiter wurde und Gelegenheit zum Überholen bot. Nachdem ich durch die Staubwolke, die sich dort gebildet hatte, gerannt bin waren es nur noch wenige Meter bis zur Verengung des Weges. Das führte dazu, dass nicht nur auf dem beginnenden GR131, sondern auch links und rechts davon der Platz genutzt wurde. Das funktionierte aber nur solange, bis der richtige Anstieg kam. Spätestens an dieser Stelle, musste man wieder auf den Weg zurück und sich wie auf der Autobahn einfädeln. Erst nachdem ich diesen Punkt überwunden hatte, konnte man sich auf sein eigenes Tempo und seinen eigenen Schritt konzentrieren und die hektische Passage des Rennens hinter sich lassen. Wie eine lange Schlange zog sich das Läuferfeld den Berg nach oben. Der Vulkan-Schotter unter meinen Schuhen knirschte bei jedem Schritt und das Schwarz des Bodens verschluckte buchstäblich fast die Leuchtkraft meiner Stirnlampe. Gerade jetzt war es wichtig, sehr konzentriert zu laufen. Steine, die aus dem Boden herausragten, sah man oft erst in letzter Sekunde, da sie vom Vordermann verdeckt waren und durch ihre dunkle Farbe kaum zu sehen waren. Auf der ersten Hälfte der Strecke bis nach Los Canarios waren viele der Läufer gerade an den steileren Passagen im Wanderschritt unterwegs. Doch sobald es flacher wurde, setzte sich der Pulk wieder schneller in Bewegung. So vergingen die ersten Kilometer eigentlich wie im Fluge.

Los Canarios – Bin ich wohl schon im Ziel?

Unbegreiflich, was alleine bei der ersten Verpflegung schon für eine Stimmung herrschte. In der Ortschaft selbst säumten dicht gedrängt sehr euphorische Fans des Transvulcanias die Gassen und feuerten jeden Starter lautstark an. Dies vermittelte mir schon das Gefühl, im Ziel angekommen zu sein. Aber nein – ich hatte ja erst die ersten 700 Höhenmeter bzw. die ersten 7 Kilometer hinter mich gebracht und hatte noch einiges vor mir. Nachdem ich meine Flasche wieder mit frischem Wasser aufgefüllt habe, setzte ich mich auch gleich wieder in Bewegung und nahm meine Laufstöcke vom Rucksack, die man lt. Reglement erst ab der ersten Verpflegung einsetzen durfte (sehr vernünftige Regelung!). Inzwischen setzte auch die Morgendämmerung ein und ich konnte meine Stirnlampe wieder im Rucksack verstauen.

Green & Black & Blue

Der nächste Abschnitt sollte einer der längsten ohne Verpflegung werden. Auf den nächsten 9,5 km mussten insgesamt 1.176 hm überwunden werden.

Blick zurück beim Transvulcania

Blick zurück

Die ersten Kilometer nach dem Check Point in Los Canarios waren von der Steigung her eigentlich gar nicht so schlimm. Es ging relativ flott durch wunderschöne Kiefernwälder, der Boden war durch die herabgefallenen Nadeln oft sehr weich und es gab des Öfteren Abschnitte, die auch gut laufbar waren. Die Trecking Poles leisteten schon gute Dienste. Die Sonne war in der Zwischenzeit schon aufgegangen und spendete die ersten wärmenden Strahlen. So richtig warm war mir beim Aufstieg aber nicht, da mein Shirt schon stark klatschnass war.

Jetzt begann einer der für mich landschaftlich beeindruckendsten Streckenabschnitte. Wir ließen den Kiefernwald hinter uns zurück und betraten eine deutlich kargere Landschaft. Die fehlenden Bäume am Wegesrand eröffneten einen sagenhaften Blick. Wir liefen auf diesem schwarzen, Vulkansteingranulat auf schmalen Pfaden Schritt für Schritt nach oben. Kleine, giftgrüne Nadelbäume standen links und rechts und im Hintergrund blauer Himmel und das tiefblaue Meer – ich wäre hier am liebsten stehen geblieben und hätte eine Foto-Session gemacht, aber dazu war keine Zeit. Daher holte ich immer wieder mein Handy oder meine GoPro aus der Tasche und machte Bilder oder Videos während des Laufens. Ach ja, den Teide (höchster Vulkan der Nachbarinsel Teneriffa) konnte man ebenfalls sehen!
Da dieser Streckenabschnitt weit ab von befahrbaren Straßen lag, war hier auch die Anzahl der Zuschauer sehr gering. Man hörte also nur unter, vor und hinter sich das knirschen des Vulkangesteins und das Schnaufen der Trailrunner. Von der Pace her hatte ich inzwischen einen guten Rhythmus gefunden und habe nur noch ab und zu auf meine Pulsuhr zur Kontrolle schauen müssen. Das Leistungsniveau der Läufer um mich herum war relativ gleich, so dass es nur ab und zu vorkam, dass wir zum Überholen ansetzen mussten oder wir von hinten überholt wurden.
Nach einiger Weile waren die ersten knapp 1.900 hm geschafft und wir erreichten die Verpflegung Las Deseadas (1.828 m). Hier gab es Wasser und Iso und viele fleißige Helfer, die einem die Soft Flask abnahmen und beim Befüllen halfen.

Vulcano-Downhill is Fun

Nach einer kurzen Zeit an der Verpflegung ging es noch weiter bis auf knapp über 1.900 m hinauf, am Fuße des Vulkans „Pico Nambroque“ vorbei. Und dann begann auch der erste Downhill des Rennens. Und gleich bei diesem Downhill füllte ich meine Schuhe unfreiwillig mit feinem Vulkansand auf, in dem man so tief einsank, dass man keine andere Chance hatte ohne zusätzliches Gewicht weiterzulaufen. In diesem Augenblick beneidete ich die Läufer um mich, die mit Gaitors ausgestattet waren. Zum Glück war diese Passage nur recht kurz, und der schwarze Sand suchte sich in meinem La Sportiva Schuh die passenden Lücken.
Downhill beim Transvulcania

Downhill beim Transvulcania

Was dann folgte, war wirklich Downhill-Spaß pur. Auf sehr schön laufbaren Trails piepste meine Garmin-Uhr (Hinweis für vollendeten Kilometer) wesentlich schneller als die Stunden zuvor. Was auch irgendwie kurios war, war das gleichzeitige Piepsen um einen herum. Tja, alle Transvulcania Teilnehmer waren wirklich sehr gut ausgestattet. 😉 So vergingen die folgenden Kilometer sehr schnell. Trotzdem versuchte ich hier nicht zu überzocken und mich nach all den Höhenmetern wieder etwas beim Bergablauf zu regenerieren. Wir tauchten nach einiger Weile wieder in einen dichten Wald ein und hörten schon aus der Ferne die Lautsprecherdurchsagen aus El Pilar. Der Check Point El Pilar ist beim Transvulcania DER Knotenpunkt, denn hier ist das Ziel für die Halbmarathonläufer und gleichzeitig der Start der Marathonläufer.

Kurze Rast bei KM 24

El Pilar - Check Point Nr. 3

El Pilar – Check Point Nr. 3

Sehr kurz ist meine Pause in El Pilar ausgefallen, da ich wusste, dass schon 7 km weiter die nächste Verpflegung kommen würde und die Strecke bis dorthin auch nicht sehr anspruchsvoll sein würde. Eine Flasche war noch gefüllt – also genug für die nächsten Kilometer. Ich holte mir also nur ein Stück Wassermelone, tauschte mich kurz mit Jochen aus und zog von dannen.

Und ab auf den nächsten Streckenabschnitt

Und ab auf den nächsten Streckenabschnitt

Was jetzt kam, war wohl der unattraktivste Abschnitt des gesamten Rennens. Auf einer relativ breiten Forststraße ging es unspektakulär dahin. Rechts und links waren nur Bäume, die keine Sicht auf die Landschaft freigaben. Anfangs sah ich noch Marathonläufer, die sich gerade warm liefen, später waren kaum mehr Fans oder Läufer auf der Strecke zu sehen. Ich merkte, dass die ersten Kilometer schon ihre Spuren hinterlassen hatten und musst an leichten Steigungen schon mit dem Gehen beginnen. Aber das ging nicht nur mir so…

Etwas verwirrt war ich, als urplötzlich eine Zeitnahme auftauchte – aber keine dazugehörige Verpflegungsstation. Hatte der Veranstalter des Transvulcanias diese nicht aufgebaut oder was war hier los? Wassertechnisch war ich ja recht knapp ausgestattet. Die Erleichterung kam erst wenige Kilometer später, als ich die weißen Zelte der Verpflegung erblickte. Auch hier blieb ich nur kurz stehen, trank Wasser & Iso und füllte meine Flaschen erneut auf. Gut gerüstet ging es ab nun wieder auf schönen Singletrails hinauf. Nun bot sich nach den sonnigen Abschnitten ein ganz anderes Bild, denn wir liefen durch die tief hängenden Wolken, die den Eindruck erweckten, dass man gerade auf einem Trail durch den Regenwald unterwegs sei. Da ich die Steine vom Downhill nach El Pilar immer wieder beim Laufen spürte, beschloss ich kurz meine Schuhe zu entleeren. Das gab auf jeden Fall ein gutes Gefühl und gab mir auch etwas Zeit die beeindruckende Bergkulisse zu bestaunen. Kurz nachdem ich mich wieder auf den Weg gemacht hatte, wurde es auf einmal etwas hektischer, denn die Starter des Marathons kamen von hinten angeschossen.

Luis Alberto Hernando überholt mich als führender des Marahtons

Luis Alberto Hernando überholt mich als führender des Marahtons

Luis Alberto Hernando, der den Marathon später gewinnen sollte zog mit vollem Einsatz an mir vorbei. Auch Moritz auf der Heide, der beste deutsche Teilnehmer, überholte mich kurze Zeit später (6. Platz Gesamt).

Die folgenden Kilometer bis zum Check Point Pico de la Nieve waren wirklich der Hammer! Es ging immer wieder auf und ab – rechts und links und hatten einmal tollen Blick Richtung Osten und kurze Zeit wieder Richtung Westen – einfach unbeschreiblich!

Toller Ausblick beim Transvulcania

Toller Ausblick beim Transvulcania

Der Abschnitt war mit insgesamt 890 hm der Part mit den zweit meisten Höhenmetern beim Transvulcania. Ich war nicht der einzige Läufer, der hier hin und wieder mit der GoPro ein paar Aufnahmen machte.

Pico de la Nieve

Hier hatten wir wieder eine volle Verpflegung mit Essen und Getränken. Auch hier zogen mich die Wassermelonen wieder magisch an, da ich diese auf meinen Trailruns immer sehr gut vertrage und Flüssigkeit und etwas Zucker geben. Auch in die Kiste mit den geviertelten Orangen habe ich gegriffen. Ein Gel habe ich mir zur Vorsicht für die kommenden Kilometer auch mit eingepackt. Mit ein paar Mandeln im Mund habe ich mich wieder auf die Trails gemacht. Nun aber war die Anstrengung hoch auf den GR131 zu kommen, den wir kurz verlassen hatten, besonders groß. Es ging megasteil nach oben und kostete wieder einige Körner. Auf den kommenden Kilometern ging sehr wellig dahin.

Transvulania - Blich zurück

Transvulania – Blich zurück

Nach laufbaren Streckenabschnitten folgen wieder Trails auf die nächste Erhöhung. Ich wünschte mir schon sehr den höchsten Punkt, die V7 Roque de la Muchachos, bald zu erreichen. Doch bis dahin zog es sich wirklich wie Kaugummi. Als ich die Observationsbauten vor mir sah, dachte ich, ich hätte es schon geschafft.

Ein Ende des Anstiegs ist in Sicht

Ein Ende des Anstiegs ist in Sicht

Da hatte ich mich aber getäuscht, denn ich musst nochmals absteigen um dann auf der anderen Seite die gerade „verlorenen“ Höhenmeter erneut zu erklimmen. Aber auch das war dann endlich vollbracht und so traf ich das zweite Mal auf Jochen, der sich mit seiner Kamera einen guten Punkt für tolle Aufnahmen nur wenige Meter unterhalb der Verpflegung ausgesucht hatte.

Roque de los Muchachos – Der höchste Punkt vom Transvulcania

Ich war sehr froh oben im Zelt auf 2.420 m angekommen zu sein und auch sehr erstaunt, dass ich Lars (trailfieber.de), hier getroffen habe (Lars ist in

Verpflegung in Roques de la Muchachos

Verpflegung in Roques de los Muchachos

der Regel ein gutes Stück schneller als ich). Auch hier war meine Absicht, mich nur kurz aufzuhalten um mich dann voll motiviert an den langen, langen Downhill bis nach Pto de Tazacorte zu machen. Ich aß wieder Wassermelone, Orangen und ein Helfer kümmerte sich um meine Trinkflaschen (was für ein Service 🙂 ). Man fragte mich sogar, ob ich meine Laufstöcke abgeben und ins Ziel bringen lassen wollte. Ich verneinte aber, da ich mir dachte, dass sie auf dem nun folgenden 18 km und mit gut 2.500 hm gespicktem Downhill vielleicht auch hilfreich sein könnten. Als ich aus dem Versorgungszelt trat, gönnte ich mir noch eine kalte Dusche. Helfer standen hier mit einem Schöpfbecher und gossen uns auf Wunsch kaltes Wasser übern Kopf. Ein paar Meter später hielt ich noch kurz für ein paar Bilder an, die Jochen machte und rief im dann nur zu „bis gleich“. Zu dem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht im Geringsten, was mich auf den folgenden Kilometern erwarten würde.

Mit guter Laune gen Tal

Mit guter Laune gen Tal

Der lange, steinige Pfad zum Meer

Nach ein paar hundert Metern lief ich (was wirklich selten war) ein Stück Straße. Vor mir erblickte ich wieder Lars, dem ich langsam immer näher kam. In der Verpflegung in Roque de la Muchachos habe ich nicht viel von ihm mitbekommen, da ich mich nur mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt war. Aber nun ahnte ich, dass es bei ihm heute nicht so wie erhofft lief.
Der Downhill lief bei mir ganz anders als erwartet (oder als ich es mir vorgestellt hatte). Zunächst waren auf den ersten Kilometern immer wieder ein paar Hundert Meter dabei, wo wir wieder an Höhe gewannen (das hat meinem Kopf gar nicht so gefallen). Ansonsten ist es im Abstieg eigentlich noch ganz gut gelaufen – zumindest am Anfang. Denn nach und nach merkte ich, dass ich mich nur schwer auf die technisch nicht einfach zu laufende Strecke konzentrieren konnte. Ich vertraute meinen Beinen nicht mehr ganz und spürte auch, dass ich durch die etwas geschwundenen Kräfte nicht mehr volle Kontrolle über meine Beine hatte. Und diese Kombination raubte mir die Geschwindigkeit auf den kommenden Kilometern. Viele, viele Läufer zogen in der Zeit an mir vorbei, doch ich wollte den Lauf gerne ohne Sturz zu Ende bringen und kein unnötiges Risiko eingehen. So zogen sich die Kilometer dahin, bis ich endlich El Time erreichte. Doch auch von El Time aus wurde die Strecke vom Untergrund her nicht einfacher zu laufen. Ich befand mich jetzt auf dem Trail, der am Donnerstag Abend bei der Transvulcania Vertical Challenge nach oben gerannt wurde. Wenn man die Streckenbeschaffenheit selbst gesehen hat, sind die gelaufenen Zeiten noch unglaublicher. Ich war schon sehr gespannt auf die letzten, legendären 200 hm hinunter nach Tazacorte. Doch bis ich diesen Punkt erreicht hatte, musste ich noch viele, viele Höhenmeter – auch teilweise wieder auf Teer nach unten.  Während ich kurz zuvor schon die Stadt Los Llanos in der Ferne ausmachen konnte, schaute ich nun hinab in dieses wunderschöne Fischerdorf Tazacorte mit tiefschwarzem Sandstrand.

Tazacorte – Das Ziel für die Marathonis

Die berühmten Serpentinen von Tazacorte

Die berühmten Serpentinen von Tazacorte

Nun folgten die Serpentinen nach unten und ich erreichte wenige Minuten später, schon sichtlich angeschlagen das Ziel der Marathonläufer. Jetzt hieß es aber zum letzten Mal Energie tanken, Flaschen auffüllen, denn 5 heiße Kilometer warteten noch auf uns. Doch bevor es aus der Verpflegung raus ging, stand für alle Läufer noch eine erfrischende Dusche bereit.

Zunächst ging es an der Uferpromenade entlang bis es dann ein paar Stufen hinunter zum Strand ging. Doch anstatt ein Bad im Meer zu nehmen bogen wir gleich wieder links ab und wühlten uns durch ein Kiesbett, dass

Ausgetrocknetes Flussbett auf den letzten Kilometern nach Los Llanos

Ausgetrocknetes Flussbett auf den letzten Kilometern nach Los Llanos

uns in das ausgetrocknete Flussbett führte. Das Tal wurde immer enger und enger und schließlich sprang ich von Stein zu Stein durch eine bizarre Kulisse. Bis zum Ziel des Transvulcania waren noch gut 369 hm von Tazacorte aus zu bezwingen. Der Anstieg begann auch sofort, nachdem wir aus dem Flussbett wieder ausgespuckt wurden. Links Bananenplantagen – rechts Bananenplantagen. Und in der Mitte führte der Weg steil und erbarmungslos hinauf. Jetzt hieß es nochmals alle Kräfte zu mobilisieren, denn das Ziel war nur noch gut 2 Kilometer entfernt. Auch hier säumten schon wieder ein paar Fans die Straßen. So spielte ein Mann auf der Flöte und von den benachbarten Häusern aus wurde jeder Läufer angefeuert.

Als die letzten Höhenmeter dann bezwungen waren, erreichte ich auch schon den legendären blauen schnurgeraden Radweg, der ins Zentrum von Los Llanos führte.

Transvulcania - der blaue schnurgerade Radweg

Transvulcania – der blaue schnurgerade Radweg

Vor den Cafés saßen und standen die Einheimischen und trieben jeden Läufer an. An Gehen war hier wirklich nicht zu denken. Meter für Meter kam ich dem Ziel näher und je näher ich kam, desto mehr Fans säumten den Straßenrand. Auf den letzten 100 m war dann die Party voll im Gange und ich erreichte überglücklich die Ziellinie.

Nach 11:21 Stunden war es vollbracht

Nach 11:21 Stunden war es vollbracht

Wiedertreffen im Ziel mit Lars

Wiedertreffen im Ziel mit Lars

Bart kommt nach 13 Std. ins Ziel

Bart kommt nach 13 Std. ins Ziel

Alle 3 exito Gipfelstürmer am Ziel

Alle 3 exito Gipfelstürmer am Ziel

 https://www.exito.de/de/gipfelstuermer/transvulcania-2017.php

Meine persönliche Zeit & Rennanalyse

Sehr interessant ist es immer wieder, sich im Rückblick die Durchgangszeiten anzuschauen und zu betrachten, wie man sich im Rennen gefühlt hat und was man pro Abschnitt für Plätze verloren oder aber auch gewonnen hat. Ich denke, dass ich mir das Rennen schon gut eingeteilt habe. Auf den ersten beiden Streckenabschnitten habe ich stark auf den Puls geschaut und habe stets versucht nicht weit über 160 Schläge zu kommen. Das hat ganz gut funktioniert, musste aber auf dem zweiten Streckenabschnitt nach Las Deseadas in der Summe 35 Läufer an mir vorbeiziehen. Auf der Strecke hinunter nach El Pilar hingegen konnte ich bei dem rasanten Downhill wieder 29 Plätze gut machen. Auch bei dem Downhill habe ich versucht, es „locker“ laufen zu lassen, um meinen Beinen nach all den Höhenmetern im Anstieg etwas Erholung zu gönnen.
44 Plätze konnte ich dann von El Pilar zu der Zeitmessung La Hilera gewinnen. Lag sicher auch daran, dass ich in El Pilar kaum Pause gemacht habe und meine Flaschen erst später wieder aufgefüllt habe.
Auch bei den folgenden Check Points konnte ich immer weiter aufholen. Das hat bis R. Muchachos bzw. Pinos Gachos (nur Zeitnahme) wunderbar funktioniert – auch wenn mir nicht bewusst war, dass ich groß Läufer überholt habe. Ich denke eher, dass ich diese an den Verpflegungen habe stehen lassen.
Auf dem Downhill wurde ich gefühlt ständig überholt, das kann man auch schön an den roten Pfeilen erkennen. Der Positionsverlust hat sich dann bis zum Ziel hin durchgezogen – trotzdem ist es mir gelungen vom ersten Check Point in Los Canarios etwas schneller als der Schnitt zu laufen (von Rang 403 konnte ich mich auf Rang 375 verbessern).
Durchgangszeiten beim Transvulcania 2017

Durchgangszeiten beim Transvulcania

Links:

Weitere interessante Laufberichte zum Transvulcania:

Roadmap (vom Veranstalter)


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5 Gedanken zu “Transvulcania 2017

  • Zimmermann

    Gratuliere, super Lauf und schöner Bericht.
    Ich habe im Februar den Transgrancanaria 82Km gemacht und bin jetzt an der Planung für 2018.
    Kennt jemand von euch den Vergleich Transvulcania und MIUT (Madeira), welcher ist schöner?

    • Stefan Miyagi Autor des Beitrags

      Hallo Christoph,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Den MIUT habe ich selbst noch nicht gemacht, wäre aber auf jeden Fall in der engeren Auswahl, wenn es an die Planung der nächsten Jahre geht. Im Urlaub war ich schon mal auf Madeira und hatte diese Insel noch grüner in Erinnerung als La Palma. Ist aber auch schon wieder ein paar Jahre her. 😉 Madeira ist aber auf jeden Fall eine Reise wert – und den Transvulcania kann man bedenkenlos empfehlen. Ist eigentlich ein MUSS für jeden Trailrunner. 🙂

      Viele Grüße
      Stefan