Backyard Ultra: Die Regeln. Einfach. Gnadenlos.
Backyard ist eine eigene Laufsportart. Du läufst weder eine feste Distanz auf Zeit noch eine feste Zeit auf Distanz. Das Ziel: so weit kommen, wie es deine Erfahrung und dein Können zulassen. Hier sind alle Regeln – verständlich erklärt.
Grundlage: die offiziellen Backyard Ultra Rules von Big’s Backyard Ultra, sinngemäß übersetzt.
Von Stefan Miyagi – 4-facher Backyard-Sieger, Team Germany 2024 · Zuletzt aktualisiert:
Es gibt nur einen Sieger – aber unzählige Erfolge.
Gewonnen hat am Ende nur, wer die größte Distanz zurücklegt. Doch das ruhige, vernünftige Pacing und die Teamstimmung tragen viele Läufer:innen zu Leistungen, die sie nie für möglich gehalten hätten.
Und: Jede:r im Feld prägt das Ergebnis mit. Ohne alle anderen würde auch der Sieger nie so weit kommen.
Die Strecke
- Rundkurs oder Wendepunktstrecke (hin und zurück).
- Die Strecke muss exakt 4 Meilen und 880 Fuß lang sein.
- Metrisch sind das 6,7056 Kilometer.
- Höhenmeter sind egal – flach oder bergig, Asphalt oder Trail: Hauptsache, die Streckenlänge wird exakt eingehalten.
- Manche Backyards haben eine Tag- und eine Nachtstrecke – etwa tagsüber einen Trail und nachts eine einfachere Straßenrunde. Beide sind exakt gleich lang.
Warum so krumm? 24 Yards ergeben exakt 100 Meilen (160,9 km). Wer einen ganzen Tag durchhält, hat also genau einen 100-Meiler in den Beinen.
Die Startbox
- Sie wird so bemessen, dass das gesamte Starterfeld hineinpasst.
- Ihre Größe bleibt während des ganzen Rennens gleich – auch wenn das Feld schrumpft.
- Beim Glockenschlag müssen alle in der Startbox stehen.
In der Praxis: Die Box wirkt am Anfang voll und eng – und wird mit jeder Runde leerer. Spätestens beim letzten Warnsignal solltest du drinstehen.
Der Start
- Jeder Yard startet exakt eine Stunde nach dem vorherigen.
- Es gibt eine Warnung 3, 2 und 1 Minute vor der Glocke.
- Alle müssen bei der Glocke starten – späte Starts gibt es nicht.
- Auch nicht zu früh: Wer vor der Glocke über die Startlinie tritt, wird disqualifiziert.
In der Praxis: Bei vielen Rennen kommen die Warnungen als Pfiffe: drei Pfiffe, zwei Pfiffe, ein Pfiff – dann die Glocke. Wer da noch am Tisch sitzt, ist raus.
Unterwegs auf dem Yard
Die Strecke verlassen
Bis der Yard beendet ist, bleibst du auf der Strecke.
Toilettenpause
Die einzige Ausnahme vom Streckengebot.
Begleitläufer
Niemand, der nicht im Rennen ist, darf mitlaufen – auch keine ausgeschiedenen Läufer:innen.
Persönliche Hilfe
Keine Verpflegung oder Unterstützung durch deine Crew während eines Yards.
Hilfsmittel wie Stöcke
Keine künstlichen Hilfen – ausdrücklich auch keine Trekkingstöcke.
Überholen lassen
Langsamere müssen Schnelleren Platz machen.
Läufer helfen Läufern
Teilnehmende im Rennen dürfen sich unterwegs gegenseitig unterstützen – Hilfe von außen ist tabu.
Depots anlegen
Was du mitnimmst, bringst du auch wieder zurück. Nichts unterwegs ablegen – keine Verpflegungsdepots.
Vergessenes holen
Stirnlampe oder Startnummer vergessen? Nach dem Start geht’s nicht mehr zurück in den Startbereich.
Die wichtigste Regel: Jeder Yard muss in weniger als einer Stunde beendet sein, um zu zählen. Deine Crew hilft dir nur zwischen den Yards – in der Pause im Startbereich. Pack also vor jeder Glocke alles ein, was du für die Runde brauchst.
Hinweis: Die Hilfe unter Läufer:innen, das Depot-Verbot und das Zurückholen-Verbot stehen nicht wörtlich im offiziellen Regelwerk, sondern ergeben sich daraus und sind bei Backyard-Rennen gängige Praxis. Im Zweifel gilt die Ausschreibung des Veranstalters.
Die Zeitnahme
- Rundenzeiten zu erfassen ist optional.
Was wirklich zählt: Ob du in 40 oder 58 Minuten zurück bist, spielt für die Wertung keine Rolle. Es zählt nur: drin oder raus. Schneller laufen bringt dir nur mehr Pause – und kostet Kraft für später.
Sieger und Ergebnis
- Sieger ist, wer als Letzte:r einen Yard beendet.
- Alle anderen sind formal DNF (did not finish).
- Für jede Person wird das Ergebnis in absolvierten Yards angegeben.
- Schafft niemand einen Yard mehr als alle anderen, gibt es keinen Sieger.
Übrigens: In der Szene nennt man die Person, die als Zweitletzte aufhört, „Assist“ – denn ohne sie wäre der Sieg nicht möglich gewesen.
Kein Limit
- Ein Backyard Ultra muss nach oben offen sein – ohne Zeit- oder Distanzlimit.
Deshalb ist es so hart: Du weißt beim Start nie, wann du fertig bist. Der aktuelle Weltrekord liegt bei 124 Yards – über 830 Kilometer. Aufgestellt haben ihn die Belgier Ivo Steyaert und Merijn Geerts bei der Backyard Ultra Team-WM im Oktober 2026; nach 124 Runden hörten sie gemeinsam auf.
Backyard 24 und kürzere Formate
- Backyard-Rennen mit festem Ende bis 24 Stunden dürfen stattfinden.
- Sie heißen nach ihrer Länge – z. B. Backyard 6 für 6 Stunden.
- Es gibt keinen Sieger: Man finisht oder ist DNF.
- Alle anderen Backyard-Regeln gelten genauso.
- Läuft ein Backyard 24 zusammen mit einem Backyard Ultra, starten alle gemeinsam.
Finish oder DNF
Finish oder DNF
Finish oder DNF
Last One Standing
Weiter – oder raus?
Acht typische Situationen aus dem Rennalltag. Wie hättest du entschieden?
Du kommst nach 59:30 Minuten zurück und stehst bei der Glocke in der Startbox.
Du kommst nach 60:05 Minuten zurück.
Bei Kilometer 3 reicht dir deine Crew eine frische Flasche.
Du gehst während der Runde kurz auf die Toilette neben der Strecke.
Du nimmst für die steilen Stücke Trekkingstöcke mit.
Beim Glockenschlag sitzt du noch am Tisch und startest 20 Sekunden später.
Ein Freund, der schon ausgeschieden ist, begleitet dich eine Runde zur Motivation.
Zwei Läufer sind übrig. Beide schaffen den nächsten Yard nicht. Gibt es einen Sieger?
Die Regeln auf einen Blick.
- Ein Yard ist 6,7056 km lang – als Rundkurs oder hin und zurück.
- Höhenmeter sind egal – nur die Streckenlänge muss stimmen. Manchmal gibt es eine Tag- und eine Nachtstrecke.
- Jede volle Stunde startet ein neuer Yard.
- Warnung 3, 2 und 1 Minute vor der Glocke.
- Bei der Glocke stehst du in der Startbox – kein Frühstart, kein später Start.
- Jeder Yard muss in unter einer Stunde beendet sein.
- Strecke nur für Toilettenpausen verlassen.
- Keine Begleitläufer, keine Hilfe von außen, keine Stöcke – Läufer:innen dürfen sich aber gegenseitig helfen.
- Was du mitnimmst, bringst du zurück – keine Depots, kein Zurückholen nach dem Start.
- Langsamere lassen Schnellere überholen.
- Sieger ist, wer als Letzte:r einen Yard beendet – alle anderen sind DNF.
- Ohne einen Yard Vorsprung gibt es keinen Sieger. Und kein Limit.
Die 10 häufigsten Fragen.
Die Regel-Fragen, die rund um Backyard Ultras am meisten diskutiert werden – kurz beantwortet.
Sind alle Backyard-Strecken gleich schwer?
Darf ich auch gehen?
Zählt ein Yard, wenn ich genau bei der Glocke zurückkomme?
Bringt es mir etwas, schneller zu laufen?
Was passiert, wenn ich zu früh oder zu spät starte?
Darf ich in der Pause schlafen oder den Startbereich verlassen?
Wer darf mir unterwegs helfen?
Darf ich unterwegs etwas ablegen oder Vergessenes holen?
Sind Stöcke oder Kopfhörer erlaubt?
Gibt es immer einen Sieger – und ist ein DNF schlimm?
Regeln sitzen? Dann ab an die Startlinie.
Mit der richtigen Ausrüstung und einem Plan für die Pausen wird aus der ersten Runde schnell die zehnte.