Hart, härter, Neideck 1000 2


In diesem Jahr organisierte das Orga-Team um Robert Stein zum dritten Mal den Neideck 1000. Beim Neideck 1000 handelt es sich um die Wettkampf-Version des ausgeschilderten Wiesenttal-Trails im Herzen der Fränkischen Schweiz (Region mit der größten Brauereiendichte Deutschlands 😉 ). Die Laufrunde ist neben zahlreichen, wundervollen Trails auch mit ordentlichen Höhenmeter gespickt, um es genau zu nennen mit 1.000. Daher nennt sich die 22 Kilometer auch der “Härteste (aber schönster) Trailrun-Halbmarathon nördlich der Alpen”. Insgesamt meldeten sich für die Disziplin “Trailrun” 200 Läufer. Der Neideck 1000 war schon ein Monat vorher komplett ausgebucht obwohl das Teilnehmerlimit im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt wurde. Neben den Trailrunnern gingen auch die 100 “Power-Hiker” an den Start, die sich aber schon 1,5 Stunden vor uns auf die Runde machten.

Nummer 299 – Die letzte verfügbare Startnummer 😉

Bis jetzt bin ich (obwohl ich eigentlich als Nürnberger nicht allzu weit weg wohne) noch nicht auf der Runde „läuferisch“ unterwegs gewesen und freute mich schon sehr auf den Lauf in meiner Heimatregion. Start und Ziel war der Sportplatz der Grundschule in Muggendorf. Das Wetter hätte an diesem Tag nicht nicht schöner sein können. Sonne pur und über 20 Grad waren für den Wettkampf gemeldet.

Neideck 1000 – The Race

Startschuss des 3. Neideck 1000 (Bildquelle: Veranstalter fs-trailissimo)

Der Startschuss fiel pünktlich um 10:00 Uhr. Schon nach wenigen Metern zeigte der Neideck 1000 seine Zähne, denn es ging gleich gnadenlos in die erste Steigung. Da ich im Startfeld weit vorne war, bin ich auch ohne Stau die ersten Stufen nach oben gekommen. Nun folgten feinste Trails durch herbstlich gefärbte fränkische Laubwälder. Tolle, eindrucksvolle Stimmung. Die Sonne lachte und ich kam schon recht schnell richtig ins Schwitzen. Nur meine Beine waren heute alles andere als frisch. Bergauf und bergab lief es heute nicht wie gewohnt. Ob es der Transalpine-Run war, der mir noch in den Knochen steckte, oder ob es einfach nicht mein Tag war – ich weiß es nicht.

Sturzfrei durch die Versturzhöhle

Das erste landschaftliche Highlight war auch schon nach ein paar Kilometern erreicht. Wir erreichten die Versturzhöhle “Riesenburg” nahe der Ortschaft Doos. Mit flotten Schritten flogen wir regelrecht die vielen Stufen nach unten, die uns durch die Versturzhöhle wieder hinunter zur Wiesent führte. Nachdem ich mich, unten angelangt, für 100 Meter auf der Straße kurz “erholen” konnte, ging es auch schon wieder den Berg über einen anderen Trail nach oben.

Wrong Way!

Die Strecke mündete bald darauf wieder auf den Weg, den ich zuvor schon nach unten gelaufen war. Das hintere Teilnehmerfeld kam mir hier entgegen. Und an dieser Stelle ist es passiert, ohne dass ich es zunächst bemerkt hatte. Ich habe eine Abzweigung nach rechts verpasst. Einige der Läufer riefen mir zu, dass ich verkehrt sei. Zuerst dachte ich noch, dass es sich um einen Scherz handelt. Doch als mich immer mehr darauf ansprachen, wurde mir bewusst, dass sie Recht hatten. Nach kurzem Überlegen lief dann auf einem Waldweg wieder ein Stück zurück, wo ich die Strecke vermutete. Und ich traf Gott sei Dank auch wieder auf den Trail, nur hatte ich durch das Verlaufaktion ein paar Hundert Meter extra absolviert und war von meiner vorderen Position ein Stück weit nach hinten gerutscht.

Inzwischen hatte ich auch mein Tempo gefunden und versucht, die schöne Landschaft um mich herum so gut wie nur möglich noch zu genießen – was bei einem d. Puls von 170 noch möglich war. 😉 Die erste Verpflegung wartete dann auch bei Kilometer 10 auf mich. Das Wasser tat bei der Hitze richtig gut. Erfrischt ging es über Stock und Stein weiter Richtung Streitberg. Der Streckenführung hatte es wirklich in sich, denn es ging nur sehr selten mal flach dahin.

Plötzlich dunkel

Das nächste Highlight folgte auch schon kurz darauf, als es durch eine kleine Höhle ging. Es hieß nun: Kopf einziehen – Geschwindigkeit rausnehmen und das “Licht am Ende des Tunnels” suchen. Der kurze Durchgang wurde mit montierten Taschenlampen oder Stirnlampen ausgeleuchtet, so dass man sich in der Höhle gut zurechtfinden konnte. Klasse Aktion – hatte ich sonst noch bei keinem Lauf erlebt. Der 2. Stop folgte dann nach einem Flotten Downhill in der Ortschaft Streitberg. Wieder gab es Wasser und Iso – und wieder griff ich dankbar zu.

The final Uphill

Nun musste kurz die Bundesstraße überquert werden und es ging auf die andere Seite des Wiesenttals, wo die letzte Steigung auf die Läufer wartete – der Anstieg zur Burgruine Neideck. Von hier aus waren es nur noch 4 Kilometer bis ins Ziel. Ich traf nun auf immer mehr Läufer, die ich nach meinem Verlaufen zuvor aus den Augen verloren hatte. Auch Jochen stand überraschen mit seiner Family am Wegesrand und feuerte an. Ich mobilisierte meine letzten Kräfte und konnte noch den ein oder anderen Platz auf den letzten Kilometern gut machen. Ein letzter Downhill und das Schild “Ziel: 500 Meter” zeigte mir, dass ich es bald geschafft hatte.

Endlich Bier

Nach 2:10 bin ich als insgesamt 25. ins Ziel gekommen. Obwohl es heute nicht optimal für mich lief, bin ich mit meiner Leistung durchaus zufrieden. In der Team-Speed Wertung (mit Markus-Christian Siegler, Zeit: 1:52 und Roman Aha, Zeit 2:10) schafften wir als Team “exito Gipfelstürmer” sogar den ersten Platz zu erreichen und freuten uns u.a. über einen schönen Obstkorb als Präsent.

Siegerehrung „Team-Speed“ mit Organisator Robert Stein (Photo by: Susi Lell)

Mein Fazit

Der Neideck 1000 ist eine echte Bereicherung für die Trail-Laufszene in Franken. Die Strecke hat es wirklich in sich und ist an Härte und auch Schöne in der Region wohl kaum zu überbieten. Der Lauf ist mit viel Herzblut organisiert, von Sportlern die jeden Winkel ihrer Heimat kennen und das “best of” daraus präsentieren. Ich wünsche den Veranstaltern weiterhin viel Erfolg und bin mir sicher, dass vom Teilnehmerfeld noch viel Luft nach oben ist. Vielen Dank für euren Einsatz & bis bald!

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2 Gedanken zu “Hart, härter, Neideck 1000

  • Herbert Hülss

    So richtig mitreißend geschrieben. Ich bin den Trail schon dreimal mehr oder weniger in schnellem Nordic Walking gelaufen. Der von Robert Stein angelegte Neideck 1000 ist von Abwechslung, sowohl vom Profil wie auch der tollen Landschaft, kaum zu überbieten. Einfach ein super Trail!

    • Stefan Miyagi Autor des Beitrags

      Hallo Herbert, vielen herzlichen Dank für deinen Kommentar! Es freut mich, dass dir der Artikel gefallen hat. Die Gegend ist sehr reizvoll – egal ob man rennt oder als Nordic Walker unterwegs ist. Wahrscheinlich hast du mehr von der schönen Stimmung aufsaugen können als ich unterwegs. 😉 Viele Grüße Stefan