AlpenX100 – Ultralauf über die Alpen


AlpenX100 – Das Trailrunning Highlight 2016

 

5. August 2016 in Seefeld. Ich wache auf. Es war später Nachmittag und der Wecker den ich mir gestellt hatte war noch gar nicht losgegangen. Es war schon eine ungewöhnliche Zeit die Augen zuzudrücken – aber nach vielem Hin und Her hatte ich mich doch dazu entschieden und war in einer Pension in Seefeld für ein paar Stunden untergekommen. Auch wenn es nur ein wenig Stunden Schlaf waren, sollten sie für mein Vorhaben, den AlpenX100 mit 160,2 km, 9.224 Höhenmeter im Aufstieg und 9.843 Höhenmeter im Abstieg elementar wichtig werden. Mein erster 100 Meilen Lauf und das in meinem zweiten Jahr als ambitionierter Trailrunner.

Ankunft in Seefeld

Regen und immer noch Regen. Seit dem wir uns von Nürnberg kommend Richtung Süden bewegt haben, haben uns die tief hängenden Regenwolken nicht mehr losgelassen. Wir waren nun in dem Starkregen angekommen, der für diesen Freitag in der nördlichen Alpenregion angekündigt worden war und die Trails nochmal richtig aufweichen sollte. Im Startbereich war der Platz für die Aussteller hoffnungslos überschwemmt – nur gut dass die Startnummernausgabe des AlpenX100 im Gebäude des Olympia Zentrums war. Die Startunterlagen waren schnell abgeholt und ich hatte die Startnummer 96 “gezogen”. Selbst wenn ich zwischendurch mit dem Kopf in einem Schlammloch gesteckt wäre, hätte man die Nummer immer noch richtig gelesen.

Die letzten Stunden vorm AlpenX100

Es war ja erst kurz nach 13:00 Uhr. Es galt die vielen Stunden bis zum Start noch einigermaßen sinnvoll zu gestalten. Da war zum einen die Pastaparty im ersten Stock des Olympia Zentrums. Nudeln selbst essen wollte ich nicht (wollte auf basische Ernährung vor dem Rennen achten)  und habe das Pastaticket an meine Begleiter Bart und Jochen abgegeben, die heißhungrig über den Nudelteller herfielen. Als die Nudeln verputzt waren ging es wieder zum Van. Jochen hatte noch ein paar Tage zuvor für ein paar Stunden eine Pension klar gemacht. Wie wir später erfahren haben, war es das erste mal für die Vermieterin, dass jemand bei ihr angerufen hat und nach einem Zimmer für ein paar Stunden nachgefragt hat. Ich habe mich hier mit meinem Gepäck zurückgezogen und erst mal die Augen zugemacht. Mein Ziel war, vor dem großen Rennen noch etwas Schlaf zu bekommen und Kräfte zu schonen. Das hat auch ganz gut geklappt. Hatte bestimmt über eine Stunde geschlafen und danach in aller Ruhe meine Utensilien aus der Tasche geholt und zum Sortieren begonnen. Es sollte ja alles sehr organisiert ablaufen. Also die Sachen die ich später zum Umziehen benötigte in die eine Tasche, und dann noch die beiden Dropbags zusammenstellen, die ich bei zwei großen Verpflegungsstationen hinterlegen lassen konnte. Nachdem ich damit fertig war, kamen Bart und Jochen auch schon wieder vorbei, um noch gemeinsam eine Henkersmahlzeit in der Innenstadt von Seefeld einzunehmen. Der Regen hatte zumindest jetzt etwas nachgelassen und wir zogen in das Ortszentrum um uns bei Tiroler Gröschtl, alkoholfreiem Weizen und anderen Schmankerln zu stärken.

Briefing der Trailrunner

19:00 – Wettkampfbesprechung. Der Saal im Olympia Zentrum war jetzt auch sehr gut gefüllt. Die Stimmung war gut aber dennoch konnte man die Nervosität aller Teilnehmer spüren. Es handelte sich ja um die Premiere des AlpenX100, daher hatte keiner der Ultraläufer jemals zuvor diese Strecke bewältigt. Nicht einmal die Vorläufer im Video-Clip, wie ich später auf der Strecke erfahren habe. Der spannendste Punkt war für alle Teilnehmer sicher das Wetter. Es sollte zum Start nur noch Nieselregen geben, der im Verlauf der Nacht immer weiter abklingen sollte. Für den Morgen wurde freundliches sonniges Wetter angekündigt, also psychologisch genau richtig. Wir laufen Richtung Süden in die Sonne und in die Wärme – was für eine tolle Vorstellung! Doch zunächst sollte es erst einmal durch eine verregnete Nacht gehen. Durch das düstere Licht in dem abgedunkelten Saal war es mir eigentlich gar nicht nach Laufen zumute, Müdigkeit machte sich breit – am liebsten hätte ich mich gleich hingelegt und geschlafen. Dafür war jetzt aber keine Zeit mehr.

Highway to Brixen

Die Drop Bags hatte ich bereits abgegeben, meine Laufmontour hatte ich auch schon an. Es wurde langsam wirklich ernst. Doch in den Startblock wollten sich noch kein Trailrunner einreihen, denn es regnete immer noch leicht aber beständig weiter. Irgendwann war dann doch der Zeitpunkt da, den Rucksack checken zu lassen. In den letzten Minuten vor dem Start dann noch ein paar Bilder und dann wurde auch schon der Countdown nach unten gezählt. Mit “Highway to Hell” wurden wir vom Veranstalter und den Fans auf die 100 Meilen Strecke geschickt.

 

Hinein in die Nacht

In Seefeld selbst standen noch etliche Zuschauer an den Straßenrändern, die uns Applaus spendeten bevor wir kurz darauf von der Dunkelheit verschluckt wurden. ENDLICH loslaufen, YESS! Sooo lange hatte ich auf diesen Moment gewartet und jetzt konnte ich mich gen Süden in Bewegung setzen und meine erste Nonstop Alpenüberquerung (diesmal nicht mit dem Rennrad sonder zu Fuß) in Angriff nehmen. Trotz der Euphorie war es wichtig, mein eigenes Tempo zu finden. Es ging die ersten Kilometer auf relativ einfachen, geschotterten Wegen den Zirler Berg talwärts. Dieser Abschnitt verging wie im Flug, bald schon hatten wir das nächtliche Tal erreicht und machten uns weiter über feuchte Wiesen entlang des Inns auf den Weg zur ersten Verpflegung. Mein Blick wechselte immer zwischen den doch recht flotten Läufern vor mir und meiner Pulsuhr hin und her. Nur nicht überzocken – das war jetzt wichtig, wenn auch es schwer war sich von dem Pulk sich nicht mitreißen zu lassen. Richtig Gänsehaut habe ich bekommen, als ich mich auf den langgezogenen Feldwegen umblickte und die Schlange der nachfolgenden Läufer mit den hell leuchtenden Stirnlampen gesehen habe. Bart und Jochen sah ich 2 Mal auf diesem Streckenabschnitt. Meistens habe ich sie jedoch früher erkannt als sie mich. Es ist schon fast ein Ding der Unmöglichkeit, Läufer mit Stirnlampe auf die Schnelle zu identifizieren.

 

Erster Halt – V1 Kematen (Kilometer 15,3)

V1 in Kematen – Kurzer Stop. Flaschen getauscht. Keine Zeit verlieren und nach ein paar kurzen Worten weiter. Es lief gut. Ich war gut im Rennen. Die längste Flachpassage war nun gemeistert. Ab jetzt sollte es nur noch bergauf oder bergab gehen. Schon kurz nach der V1 durften wir die ersten Höhenmeter absolvieren (bis zur V2 waren es ca. 1.100 hm), es ging hoch nach Grinzens (bei Axams), wo ich nochmals meine Begleitcrew und ein paar andere Supporter traf. Von da an fing der wirklich harte erste Teil des Rennens an. Es ging nun bis auf 1.550 Meter bis nach Axamer Lizum hoch. In engen Serpentinen schlängelten wir uns durch dichten Tannenwald Höhenmeter für Höhenmeter nach oben. Vor und hinter mir waren doch noch einige Läufer – ich war also nicht alleine unterwegs. Nach kurzer Zeit schon traf ich ein bekanntes Gesicht. Martin, mit dem ich auch bei der Innsbrucker Trailrun Challenge ein Stück zusammen gelaufen bin, überholte mich. Nach einiger Zeit war der erste steile Anstieg geschafft und der Weg flachte etwas ab. Doch einfacher wurde es nicht zu Laufen, da der Trail durch die extremen Niederschlagsmengen der letzten Stunden total aufgeweicht war und wie schon im Racebriefing angekündigt Wegmarkierungen verschwunden waren. Es war technisch sehr schwer zu laufen und richtig Geschwindigkeit konnte ich nicht aufnehmen. Ich wollte diesen Abschnitt lieber vorsichtiger hinter mich bringen und ließ andere Läufer von Dannen ziehen. Ewig zog sich dieses kupierte Gelände hin. Die Markierungen waren sehr spärlich und nach einiger Zeit gar nicht mehr zu sehen. War ich falsch? Um mich herum war es stockdunkel und keine anderen Läufer zu sehen. Egal – weiter, wird schon wer wieder von hinten dazustoßen. Und so war es – es schloss wieder eine kleine Läufergruppe auf und so war ich zumindest nicht alleine. Nach einiger Zeit war dieser durchsumpfte Trail wieder vorbei und wir erreichten eine Forststraße. Wir bogen rechts ab und ich folgte den hellen Lichtkegeln vor mir bergauf. Nach 10 Minuten Anstieg kamen uns auf einmal viele Läufer entgegen – VERLAUFEN! Alle wieder zurück. Unter den Läufern war auch Peter Schlickenrieder dabei, der im Trailer des Salomon AlpenX100 mitwirkte. Der Läuferpulk setzte sich wieder in Bewegung und wir rannten wieder in entgegengesetzte Richtung zurück. Schon nach wenigen Minuten hatten wir dann Axamer Lizum (Kilometer 26 – 1.564 m) erreicht, wo auch Jochen und Bart auf mich warteten. Es war kühl und die warme Suppe an der Verpflegung tat richtig gut. Hier erfuhr ich, dass wir nicht die ersten waren, die sich auf dem zweiten Teilstück verlaufen hatten. Mit frisch gefüllten Flaschen ging nach einer kurzen Pause weiter.

 

Auf nach Madraz

Um den ersten Berg zu schaffen musste ich noch knappe 500 Höhenmeter hinauf bis nach Halsl auf 2.000 m hinter mich bringen. Der Nieselregen machte die Sache nicht angenehmer. Ich war schon etwas ausgekühlt, da ich ja nur meine Windweste – aber keine Regenjacke anhatte. Ich überlegte zwar mich umzuziehen, wollte aber nicht stoppen und versuchte mein Tempo beizubehalten. Von den Läufern, die jetzt unterwegs waren, war ich gefühlt eher langsamer als der Schnitt. Endlich war der erste Anstieg absolviert – jetzt endlich wieder die Beine locker laufen lassen und hinab ins Tal – dachte ich mir. Der Weg bis nach Medraz, wo die nächste Verpflegung aufgebaut war zog sich aber unerwartet in die Länge. Nach Downhill-Passagen folgten immer wieder kurze knackige Anstiege, die mich wieder in den Wander-Modus zwangen. Um mich herum gesellten sich 2 Läufer, die in vergleichbarem Tempo unterwegs waren. Wir sprachen zwar nicht miteinander – es war aber trotzdem gut jemand um sich zu haben. Diese Passage verlangte bei jedem Schritt höchste Aufmerksamkeit. Ich bin des Öfteren gestolpert – konnte mich Gott sei Dank aber immer fangen. Nach ein paar Kilometern wurde der Baumbestand etwas dünner und wir erreichten schöne saftige, sumpfige Almwiesen. Durch den Regen standen diese so tief im Wasser, dass es keine Möglichkeit gab mit trockenen Füßen weiter zu kommen. Also Augen zu und durch. Und wenn die Schuhe mal naß sind, ist’s sowieso egal. So bin ich gefühlt den nächsten Kilometer mitten durchs Flussbett gelaufen. Das war also der erste Härtetest für Füße, Socken (Craft Trailrunning Socks) und Schuhe (La Sportiva Akasha). Weniger spektakulär waren dafür die nächste Kilometer bis zur nach Madraz. Kurz bevor ich die Ortschaft erreichte saß in der Dunkelheit am Wegesrand ein Supporter uns Läufer auf einer afrikanischen Buschtrommel mutterseelenalleine anfeuerte. In den hell erleuchteten Straßen von Madraz kam mir dann schon Bart entgegen, der mir mir die letzten Meter bis zur Verpflegung (Kilometer 38,8 – 922 m) joggte. Die Stimmung war noch gut, aber hier erfuhr ich das erste Mal, dass schon sehr viele Läufer aus dem Rennen ausgestiegen sind.

 

Der lange Weg zur Blaserhütte

Nachdem ich mich gestärkt hatte und die Flaschen wieder aufgefüllt waren, machte ich mich wieder auf den Weg und verlief mich gleich das zweite Mal beim AlpenX100. Aber dieser Umweg machte nur ca. 1 km aus, da ich eine Abzweigung nach links verpasste. Als ich kein Schild mehr auf der Hauptstraße sah, kam mir das etwas komisch vor und ich machte kehrt. Nun war ich wieder am Track und es standen knapp 1.400 Höhenmeter  auf dem Weg zur Blaserhütte auf dem Programm. Zunächst ging es über schmale Trails durch dichte, dunkle Wälder nach oben, etwas später ging es dann auf Forstwegen weiter. Inzwischen war ich auch nicht mehr alleine. Peter Schlickenrieder und Paul aus UK leisteten mir Gesellschaft (beide schafften es nicht ins Ziel). In dieser Zeit war es wirklich Gold wert, sich mit jemandem zu unterhalten, denn die aufkommende Müdigkeit zog mir während des Laufens schon fast die Augen zu. Zusammen meisterten wir den Weg hinauf bis zur Ochsenalm.

Anstieg hinauf zur Blaserhütte

Anstieg hinauf zur Blaserhütte im ersten Tageslicht

Ich hatte mir fest vorgestellt, dass das schon unsere nächste Verpflegung ist, da es hier schon wieder ein paar Meter bergab ging. Doch meine Vorstellung wurde gnadenlos zerstört als sich der Blaser Gipfel (2.241 m) rechts oben zeigte, von dem die nächste Verpflegung “Blaserhütte” ja nur wenige entfernt liegt. Ach ja, und da war noch die Sache mit dem Wetter. Laut Wetterbericht sollten wir ja am Morgen mit Sonnenschein rechnen – aber ringsherum waren nur dichte Wolken zu sehen und die Temperaturen waren alles andere als sommerlich. Von der Ochsenalm zog es sich wieder sehr zäh nach oben. Schmale Trails, Geröll. Aufgemuntert wurden wir aber zwischendurch durch einen Fotograf, der unsere müden Gesichter gut in

Verpfelegungsstand an der Blaserhütte

Verpfelegungsstand an der Blaserhütte

Szene bringen wollte. Es wurde kälter und ein eisiger Wind begann mir um die Ohren zu pfeifen. Was war ich froh, als ich endlich die lang ersehnte Blaserhütte unweit des Gipfels erreichte (Kilometer 49,1 – 2.180 m). Meine Pause an der Verpflegung dauerte aufgrund des kalten Windes nicht sehr lange. Ich hab mir hier zum Trinken heißes Wasser geben lassen um mich zumindest von Innen wieder etwas aufwärmen zu können.

 

Blaserhütte – Stein am Brenner

Kurze Zeit später packte ich es wieder und “stürzte” mich in den Downhill nach Stein am Brenner. Auf diesem Abschnitt ist es auch relativ gut und schnell gelaufen. Der Trail war gut zu laufen – zunächst über gut markierte Almwiesen, später dann durch Waldstücke und kurz vor Stein am Brenner relativ unspektakulär auf Asphalt. Der Lärm der Autobahn war schon Kilometer vor der nächsten Verpflegung deutlich zu vernehmen.

An der Verpflegungsstation in Stein am Brenner

An der Verpflegungsstation in Stein am Brenner

Kurz vor 8 Uhr erreichte ich dann die Labestation (Kilometer 58,1 – 1.058 m). Hier war mächtig was los, denn um 8 Uhr fiel der Startschuss der 100km Strecke des AlpenX100 nach Brixen. An der Verpflegung war auch mein erster Beutel deponiert. Eigentlich hatte ich geplant, hier mein Sommer Outfit anzuziehen. Da es jedoch immer noch stark bewölkt und relativ kühl war verzichtete ich auf frische Kleidung. Der nächste Berg noch und dann wollte ich meine Laufklamotten tauschen, was rückblickend auch wirklich die richtige Entscheidung war.

 

Sehnsucht nach einer Mütze Schlaf

Kurz vor dem Start der 100 km Läufer machte ich mich wieder auf den Weg. An der nächsten Verpflegung bei der Nösslachjochhütte würde ich Jochen und Bart nicht antreffen, da diese mit dem Auto nicht anfahrbar war. Kurz nachdem ich losgelaufen war hörte ich auch schon den Startschuss. Es dauerte nicht lange, bis mich die ersten Läufer überholten. Und es dauerte nur ein bisschen länger, bis mich schließlich der letzte der 100km Starter überholte. Das war frustrierend und beschrieb meinen aktuellen körperlichen Zustand. Ich war schon total ausgelaugt und übermüdet. Trotzdem motivierten mich die vielen netten Worte der noch frischen Läufer, die an mir vorbeizogen. Doch als der letzte Läufer an mir vorbeigezogen war, machte sich wieder die Müdigkeit bemerkbar. Es gab etliche Momente, in denen ich einfach stehen blieb, mich auf meine Poles stützte und für ein paar Sekunden die Augen zumachte. Am liebsten wäre ich auf der Stelle eingeschlafen. So zog sich der Anstieg hinauf bis zum Nösslachjoch gefühlt unendlich lange in die Länge.

Eisiger Wind und keine Sonne an der Nösslachhütte

Nach wie vor gab es keine Sonne. Je weiter ich nach oben kam, desto kühler wurde es und der Wind wehte mir um die Ohren. An der nächsten Verpflegung “Egger Joch” auf 2.021 m gab es neben Suppe, die ich eigentlich immer trank auch Kartoffeln. Das Angebot nahm ich gerne an, da ich mich ja währende des Ultralaufs versuchte möglichst basisch zu ernähren.

 

Never Ending Trails

Ich kämpfte mich weiter über karge Wiesen Richtung Gipfel. Der Ausblick von dort oben hätte bestimmt sagenhaft sein können. Aber mit all den Wolken blieb mein Blick eher auf den Boden gerichtet und meine Augen suchten die nächste Markierung anstatt der Bergwelt Aufmerksamkeit zu schenken. So lief ich über enge ausgelaufene Trails des Zentralalpenwegs weiter Richtung Süden über das Egger Joch bis zum Lichtsee vorbei auf ca. 2.150 Meter über dem Meeresspiegel. Aufgrund der Wegbeschaffenheit – aber auch wegen meines doch schon angeschlagenen Zustands konnte ich hier keine Geschwindigkeit machen. Vom Lichtsee aus ging es dann durch mit Sträuchern zugewucherte Pfade abwärts. Grausame Strecke! Ich war sehr froh, als ich endlich wieder einen befestigten Weg erreicht hatte. Die Forststraße führte über die Kastnerbergalm hinab bis zum Waldbauer, wo mich meine Supporter pünktlich zur Mittagszeit um 12:00 Uhr wieder in Empfang nahmen. Die Verpflegung “Obernbergtal” bei Kilometer 77,2 (1.439 M) war die letzte in Österreich.

Kräfte tanken und kurzer Blick auf die Karte

Kräfte tanken und kurzer Blick auf die Karte

Bella Italia – Endlich in Südtirol

Die Landesgrenze nach Italien zu überschreiten war ein weiterer Meilenstein bei diesem 100 Meilen Rennen für mich. Doch dafür musste ich zunächst auf das Sandjöchl rauf, welches auf ca. 2.150 m liegt. Auch dieser Anstieg hatte es wieder in sich denn ich hatte wie zuvor schon große Probleme mit der Müdigkeit, die sich in meinem Körper breit machte. Doch Schritt für Schritt kam ich der Grenze näher und wurde durch einen tollen Ausblick auf die Südtiroler Bergwelt belohnt. Endlich konnte ich auch die ersten Sonnenstrahlen genießen. Jetzt ging 1.000 Höhenmeter am Stück nach unten bis zur nächsten Verpflegung in Gossensaß. Während ich oben auf dem Sandjöchl noch mit meiner langen Laufbekleidung gut bedient war war mir es unten dann zu heiß. Man spürte von der Temperatur her jede 100 Meter, die ich an Höhe verlor. Es wurde wärmer und wärmer – schönes Gefühl. Doch die Müdigkeit machte sich auch jetzt nicht nur körperlich bemerkbar. Ich hatte sehr komische Gedankengänge, die ich sonst nicht von mir kannte. Diese Situation (Kombination von extremen Schlafmangel & körperlicher Erschöpfung) war auch völlig neu für mich. Helfen konnte in dieser Situation eigentlich nur Schlaf – und das war auch mein Plan für die große Verpflegungsstation in Gossensaß in der es Feldbetten für ein Nickerchen geben sollte. In Gossensaß angekommen freute ich mich wirklich auf meine kurze Pause. Doch zuvor hatte ich noch ein kurzes Gespräch mit einem Doc von der Medical Crew, der mich nach meinem Wohlbefinden fragte. Ich zog meine Schuhe aus und legte mich auf eins der Feldbetten. Jochen und Bart, die bei mir standen bekamen von mir den Auftrag, mich nach 10 Minuten Powernap wieder aufzuwecken. Es dauerte zwei, drei Minuten bis ich eingedöst war.

10 Minuten Powernap

10 Minuten Powernap

Die Schlafphase fühlte sich deutlich länger wie 10 Minuten an denn ich war wesentlich besser (vor allem mental) beieinander als mich Jochen wieder aufweckte. Jetzt erst tauschte ich mein langes Unterhemd gegen ein sommerliches Lauftrikot aus. Und Bart reichte mir eine Flasche alkoholfreies Bier, welches wir aus Deutschland mitgebracht hatten. Was für ein Hochgenuss!

Time 4 Beer - Alkoholfrei, erfrischend und lecker

Time 4 Beer – Alkoholfrei, erfrischend und lecker

 

Nächster Halt Roßkopf

Mit frischen Socken und Laufschuhen (Brooks Cascadia) an den Füßen machte ich mich dann auch schon gleich wieder auf den Weg auf den nächsten Berg. Meine Beine fühlten sich nach dem kurzen Stopp wieder deutlich frischer an. Die ersten Kilometer im Wald hinauf Richtung Roßkopf waren nicht wirklich schön. In der Ferne hörte man nach wie vor die Brenner Autobahn was die Idylle etwas trübte. Ich ging schnellen Schrittes die Forstwege bergauf und traf auf eine Gruppe Einheimischer, die denselben Weg wie ich hatten, wie sich später herausstellte. Sie witzelten die ganze Zeit über mich und stellten irgendwelche komischen Fragen und der Hund, den sie bei sich führten sprang neugierig um mich herum. Ich versuchte mich von ihnen abzusetzen aber irgendwie wurde der Abstand nicht wirklich größer. Während der untere Teil des Roßkopfs noch über gut laufbare Wege führte wurde es weiter oben schon deutlich trailiger und schwieriger. Hier machten mir die feuchten und mit Gestrüpp zugewucherten nicht enden wollenden Trails das Leben etwas schwer. Da die Sicht aufgrund des dichten Baumbestands nie richtig frei war, wusste ich gar nicht so recht wie viele Höhenmeter ich noch vor mir hatte. Aber auch dieser Anstieg war dann irgendwann geschafft und vernahm aus der Ferne schon aufmunternde Rufe von Jochen und Bart an der nächsten Verpflegung (Kilometer 98,4 – 1.852 m), die extra mit der Monte Cavallo Rosskopf Bahn nach oben gefahren sind. Das Prozedere an der Verpflegung wiederholte sich zum x-ten Male. Trinken, Essen, Reserven auffüllen, über die vergangenen Kilometer kurz plaudern und kurz signalisieren wie ich grad so drauf bin. Und schon gings wieder weiter.

Gezeichnet von den zurückgelegten Kilometern

Gezeichnet von den zurückgelegten Kilometern

Durchschnaufen vor der Härteprobe

Von ca. 1.900 m ging es nun wieder lange Zeit bergab. Das nächste Teilziel war im tiefgelegenen Tal nahe der Ortschaft Gasteig, direkt am Mareiterbach, auf 1.000 m gelegen. Es ging über wunderschöne Trails und saftige Wiesen immer weiter hinab. Nur selten richtete ich den Blick nach vorne um die beeindruckende Alpenkulisse wahrzunehmen. Vielmehr war ich schon mit dem Gedanken beschäftigt, wie der letzte Teilabschnitt von Gasteig aus bis nach Brixen verlaufen wird. Um 18:40 Uhr erreichte ich dann auch schon die Verpflegung (Kilometer 107). Das kulinarische Highlight hier war definitiv der Kartoffelsalat, den ich an keiner der vorherigen Labestationen gesehen hatte.

Schicksalsberg Penser Joch

Nach kurzem Aufenthalt und einem Erdinger Alkoholfrei (das ich wegen dem hohen Kohlensäureanteil nicht runterbekommen habe) ging es aber auch schon weiter. Hinein ins Ungewisse – denn laut Höhenprofil stand jetzt noch einer der anspruchsvollsten Anstiege bevor. Wie hart es jetzt noch wirklich werden würde ahnte ich noch nicht, als ich auf den ersten Serpentinen der alten Penser Joch Straße langsam an Höhe gewann. Noch war der Anstieg problemlos zu meistern und es zeichnete sich kein Ende der Teerstraße ab. Zwischendurch gab es von Anwohnern eine weitere Verpflegung, bei der allen Läufern die vorbeigezogen sind eine Flasche Bier angeboten wurde. Und es gab wirklich Läufer, die das nette Angebot angenommen haben. Mein Blick jedoch richtete sich nach oben. Wo um Himmels Willen sollte der Weg nur weiterführen? Es scheinte so als ob wir in einer Sackgasse angelangt waren und es keinen normalen Weg mehr geben kann, der uns hoch zum Penser Joch bringen wird.

Und genau so war es dann auch. Anfangs war es noch ein mördersteiler Weg, der gnadenlos und geradlinig nach oben führte. Jeder einzelne Schritt fiel mir verdammt schwer an diesem Anstieg. Ich musste immer wieder kurze Pausen einlegen – zu steil war diese Passage. Als der Weg langsam wieder etwas abflachte, offenbarte sich schon die nächste Herausforderung. Der Weg endete. Nicht mal ein Trail – einfach gar nichts außer Sträucher, Wiese und Kühe die mit ihren Hufen das Gebiet zur Kraterlandschaft gemacht haben. An ein schnelles Vorankommen war jetzt nicht mehr zu denken. Der Part jetzt glich eher ein Orientierungslauf. Man musste wirklich auf jeden Schritt aufpassen und sich durch das dicke Gestrüpp bis zur nächsten organge wedelnden Fahne kämpfen. Die Teleskopstecken waren hier nicht wegzudenken. Der Blick nach vorne offenbarte nichts Gutes. Es war kein Ende in Sicht und die Berge stellten eine fast schon unüberwindbare Mauer dar. Der Kampf durch das Gestrüpp wurde noch etwas schwieriger, da sich der Tag dem Ende neigte und ohne Stirnlampe kein Fortkommen mehr möglich war. Gleichzeitig frischte der Wind auf und es wurde kühl.

Also Rucksack auf, Regenjacke raus, Mütze raus und Stirnlampe an. Wer jetzt denkt, das man das nicht mehr toppen kann hat sich getäuscht. Wir waren inzwischen in einem Kessel angekommen, ringsherum ein Grat aber es gab keinen Hinweis darauf wie man nach oben kommen sollte. Die Wegmarkierungen waren einfach weg und es war stockfinster. Es gesellten sich ein paar Läufer zusammen, die genauso hilflos dastanden wie ich. Oben am Grat sah man öfters mal eine Stirnlampe leuchten, man konnte aber nicht erkennen, wie der Läufer an dorthin gekommen ist. In 500 Meter Entfernung sahen wir ein weiteres Licht, welches sich nicht bewegte. Wir entschlossen diese Lichtquelle anzulaufen. Als wir dort angekommen waren trafen wir 2 Trailrunner, die sich um einen völlig entkräfteten Läufer kümmerten, der auf die Bergwacht wartete.

Zumindest hatten wir hier den Weg wieder gefunden, der uns weiter Richtung Penser Joch führte. Der Wind wurde in der Zwischenzeit immer stärker und die Temperaturen sanken weiter. Wir befanden uns hier ja immerhin auf 2.300 m. Die Situation in der wir Trailrunner uns befanden spitzte sich immer weiter zu. Mir wurde immer kälter, was die letzten Meter bis zur nächsten Verpflegung sehr lange erschienen ließ.

 

Penser Joch – Das Aus für viele Trailrunner

(Kilometer 121,3 – 2.211 m – Noch 40 km zum Ziel)

Eisiger Wind und heiße Suppe die nicht mehr wärmte. Resignierte Läufer, die das Rennen beendeten und auf der anderen Seite besessene, motivierte Trailrunner, die sich ihren zweiten Dropbag holten und sich umzogen, um die zweite Nacht bzw. den nächsten Abschnitt in Angriff zu nehmen. So könnte man kurz beschreiben, was sich an der Verpflegung zugetragen hat. Wenn ich diese Zeilen schreibe kann ich auch heute noch die Situation 1:1 nachempfinden und es friert mich während ich diese Zeilen schreibe obwohl ich warmen Wohnzimmer sitze.

Dick einpacken - es lag eine lange Nacht vor mir.

Dick einpacken – es lag eine lange Nacht vor mir.

Als ich die Verpflegung erreichte, zog ich mich relativ schnell mit einer Suppe in den benachbarten Schuppen zurück, der zumindest etwas beheizt war. Es war nichts drinnen außer eine Europalette die Sitzgelegenheit bot. Nachdem ich meine Suppe getrunken hatte, zog ich alles an was ich in meinem Dropbag hatte. Also Calves, Regenhose, 2 lange Unterhemden, Trikot drüber und dann noch die Regenjacke, Handschuhe und Mütze. Jedes wärmende Kleidungsstück war in diesem Moment Gold wert. Ich hätte nie gedacht, dass ich 1,5 Std. an der Verpflegung verbrachte. Die Zeit blieb dort irgendwie stehen. Alleine wollten die wenigsten hier weiter laufen, daher schlossen wir uns in einer Vierergruppe zusammen. Der dort anwesende Arzt von der Medical Crew begutachtete mich und meinte, dass er an meiner Stelle nicht mehr weiterlaufen würde. Das hätte ich aus seiner Perspektive wahrscheinlich auch gesagt, denn ich stand zitternd vor der Verpflegung und wartete auf die anderen drei Läufer. Was mir nur fehlte, war Bewegung. Jeder der dort stand fror es bis auf die Knochen. Der Doc versuchte mir noch ein schlechtes Gewissen einzureden und meinte, dass es auf dem nächsten Abschnitt nur sehr schwer für die Bergrettung sei, eine Rettung zu organisieren. Doch das Ziel war ja schon fast in greifbarer Nähe und in der Gruppe fühlte ich mich gut aufgehoben. Wir knipsten also unsere Stirnlampen an und ließen die Verpflegung hinter uns. Der trübe Schein meiner Stirnlampe leuchtete die Strecke gerade so aus. Ich trottete den anderen hinterher und versuchte das Tempo zu halten, was nicht immer einfach für mich war. Es ging über über Wiesen und Geröllfelder, entlang an steilen Abhängen vorbei immer auf der Suche nach der nächsten Kreidemarkierung . Es war sehr schwer ein Gefühl für die zurückgelegte Distanz zu bekommen. Und irgendetwas passte mit meiner Stirnlampe nicht. Ich drückte auf dem Knopf meiner Petzl Lampe und welch ein Wunder – auf einmal hatte ich die gewohnt starke Leuchtkraft von meinen Trainingsläufen wieder. Ich ärgerte mich kurz über meine Dummheit das nicht schon vorher ausprobiert zu haben und lief weiter. Nun ging es wieder bergauf und die Müdigkeit kam zurück – aber noch heftiger als ich es bis jetzt erlebt hatte. Ich sah plötzlich Dinge die es gar nicht geben konnte. Mitten auf der Wiese z.B. sah ich unseren Van stehen. Ich machte zwischendurch immer wieder kurz die Augen zu und begann zu stolpern. Das merkten natürlich auch meine Mitläufer und fragten ob alles OK ist. Das rüttelte mich kurz wieder wach und ich antwortete kurz mit Ja. Der Kampf gegen die Müdigkeit machte mich fertig. Ich versuchte irgendetwas zu reden, nur um mich aus dem Müdigkeitssumpf wieder selbst herauszuziehen. Nach einiger Zeit hatten wir dann auch den höchsten Punkt der Strecke erreicht. Auf diesem Streckenabschnitt erwartete uns auch der höchste Punkt der Strecke auf 2.575 m (an der Hörtlaner Spitze). An dieser Stelle wartete auch ein technisch sehr anspruchsvoller Teil mit einer seilversicherten Stelle auf uns. Ein falscher Tritt hätte ernsthafte Konsequenzen nach sich gezogen.

 

Marburger Hütte – Ein offenes Herz für Trailrunner

Als wir die Passage gemeistert hatten, ging es wieder ein paar Höhenmeter nach unten. In der Ferne sahen wir eine beleuchtete Hütte und der Hüttenwirt bemerkte uns Läufer, öffnete das Fenster und bat uns herein. Was für eine wahnsinns Überraschung und feiner Zug von der Marburger Hütte, aus eigener Initiative eine zusätzliche Verpflegungsstation zu errichten. Innen war es mollig warm, wir konnten unsere Flaschen auffüllen, Suppe trinken und uns von den Bananen was nehmen. Nach dem kurzen Stopp wieder vor die Tür zu treten war grausam. Zurück war die Kälte und der Wind. Es half jetzt nur noch laufen um warm zu bleiben. Doch nach kurzer Zeit erreichten wir nicht endend wollende Geröllfelder. Rennen war also nicht mehr drin – es war eher klettern angesagt. Unter diesen Umständen konnten wir keinen Boden gutmachen und so zogen sich die nächsten Kilometer in die Länge. Wir hatten jetzt schon fast die ganze Nacht hinter uns gebracht und die Morgendämmerung setzte langsam ein. Und immer noch sprangen wir von Fels zu Fels. Als die Sonne dann draußen war, hatten wir den schlimmsten Teil der Strecke auch schon überwunden.

Sonnenaufgang

Sonnenaufgang

Jetzt war nur die Frage, wo denn die nächste Verpflegung sei. Ich bildete mir ein, dass diese schon bald kommen müsste. Nach jeder Abzweigung schaute ich ins Tal. Manchmal meinte ich etwas zu sehen was sich weniger Hundert Meter später als Illusion herausstellte. An der Schalderer Scharte zogen wir unsere warme Kleidung zum Teil aus, weil es inzwischen schon wieder gut warm geworden war. Wir warfen auch einen Blick auf die Karte um sicherzugehen, dass die Verpflegung noch wirklich kommt. Und so war es dann tatsächlich. Unten im Tal wartete die nächste Kontrollstelle auf uns. Der Downhill jetzt war nicht einfach zu laufen. Der Trail war zum Teil überflutet und glich einem Bach, richtig Geschwindigkeit konnte ich auch hier nicht aufnehmen. Und dann endlich wieder eine Forststraße. Das tat gut! Und nach wenigen Minuten war die vorletzte Verpflegung erreicht. Das motivierte mich ungemein. Nur noch gute 20 Kilometer bis ins Ziel! Diese Distanz konnte ich mir noch vorstellen zu laufen. Das Ziel war greifbar nahe. Dass ich finishen werde, wusste ich spätestens hier.

 

Der letzte Berg

Voller Motivation begann ich mit vollem Stockeinsatz den finalen Berg in Angriff zu nehmen. Zunächst war die Forststraße noch breit, bis die Markierung irgendwann nach links zeigte und ich auf einen schmalen Trail gelang. Auch hier ging meine Fantasie wieder mit mir durch. Ich war alleine unterwegs und vor und hinter mir war kein anderer Läufer zu sehen. Ich bildete mir fest ein, schon mal hier gewesen zu sein (was natürlich nicht stimmte). Auch war ich der Meinung gehört zu haben, dass es bei diesem Anstieg eine Sonderwertung gibt – meine Fantasie ist mit mir hier also voll durchgegangen.

Der Weg verlief teils durch ein flaches Flussbett und die Unsicherheit stieg in mir auf, dass ich überhaupt richtig war. Wenn ich jetzt falsch wäre und das Ziel nicht erreichen würde? Das wäre ein Fiasko!!! Ich bekam schon leichte Panikattacken und versuchte den Berg so schnell wie möglich hinter mich zu bringen. Ich war sehr erleichtert, als ich wieder zwei Läufer vor mir sah. Und langsam zeichnete sich das Ende des Anstiegs schon ab. Was für eine Genugtuung. Oben angelangt hatte ich zunächst kurze Orientierungsprobleme, fand aber dann doch noch den richtigen Weg. Ich hatte mir eingebildet, den höchsten Punkt erreicht zu haben, was aber noch lange nicht der Fall war. Das Tal mit dem Ziel Brixen lag ja direkt unter mir.

Traumhafter Ausblick beim AlpenX100

Traumhafter Ausblick beim AlpenX100

Warum unbedingt noch auf dem Höhenweg folgen, wenn es theoretisch auch schneller gehen könnte? Ich verstand den Veranstalter in dieser Situation nicht, warum er diese Strecke aussuchte. So folgte ich, immer gut beobachtet von grasenden Kühen bis zur Radlseehütte. Dort wartete dann der Fotograf vom AlpenX100 auf mich und verkündete, dass es nur noch weniger Meter bis zum Downhill sind. Und tatsächlich – wenige hundert Meter später hatte ich es geschafft. An dieser Stelle traf ich auch Wolfgang von PlanB, der mir noch kurz sagte, das die nächste Verpflegung weiter nach unten verlegt wurde. Der Downhill konnte kommen, auf den ich mich so lange gefreut hatte. Es lagen nun über 1.700 negative Höhenmeter vor mir. Doch leider waren das erste Stück so steil, dass in meinem Zustand nicht an Rennen zu denken war. Jetzt ja nichts mehr auf die letzten Meter riskieren. Irgendwann waren dann die Trails auch wieder laufbar und ich kam meinem Ziel näher und näher. Weit unten erreichte ich dann die letzte Verpflegung.

 

Das große Finale

Aufgehalten habe ich mich hier nicht sehr lange, eigentlich nur um noch ein paar Worte mit Bart und Jochen zu wechseln, die auch diese Verpflegung angefahren haben. Kurze Zeit später ging es auch schon auf die letzten Meter des Rennens. Die letzten Meter sollten noch mal richtig rasant werden. Es war wirklich unglaublich, dass ich nach all den Stunden und Kilometern nochmals neue Reserven mobilisieren konnte. So kam es auf den letzten Kilometern noch zu kleinen “Battles” zwischen uns Läufern. Ich war voll motiviert und wollte noch einen schönen Zielsprint hinlegen, bei dem ich mich Meter vor der Ziellinie in Brixen auch noch zwei mal kurz verlaufen habe – unglaublich! 😉 Überglücklich bin ich dann nach 39 Stunden, 44 Minuten und 4 Sekunden ins Ziel eingelaufen, wo meine beiden Begleiter mir zujubelten und mich freudig in Empfang nahmen. Was für ein Lauf – was für ein Abenteuer – es war geschafft.

Traumhafter Ausblick beim AlpenX100

Zieleinlauf beim AlpenX100

 

Danke

An dieser Stelle möchte ich gerne dankende Worte an den Veranstalter PlanB richten, der diesen Lauf mit all seinen hoch engagierten Helfern auf die Beine gestellt hat (auch wenn es leider eine einmalige Geschichte war). Danke auch an Bart und Jochen von den exito Gipfelstürmern, die mich unermüdlich auf der Strecke begleitet haben. Das war für euch ein harter Job, den ich sehr zu schätzen weiß! Es war mir eine besondere Ehre, bei diesem Abenteuer dabei gewesen zu sein.

Überglücklich im Ziel mit Supportern Bart und Jochen

Überglücklich im Ziel mit Supportern Bart und Jochen

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